Das literarische Erbe des „Herzkasperl“ findet neue Heimat
on December 14, 2010

Das literarische Erbe des „Herzkasperl“ findet neue Heimat

Das literarische Archiv des Münchner Schauspielers, Kabarettisten und Regisseurs Jörg Hube hat eine neue Heimat gefunden. Die Monacensia, das Literaturarchiv der Stadt München, übernahm den umfangreichen Nachlass des im Juni 2009 verstorbenen Künstlers.

Zum Archiv gehören zahlreiche persönliche und künstlerische Dokumente. Darunter befinden sich handschriftliche Aufzeichnungen und Briefe, Regiebücher, Rundfunkmanuskripte sowie Texte und Kritiken zu Hubes berühmter Kabarettfigur „Herzkasperl“. Ergänzt wird die Sammlung durch Film- und Theaterfotografien, Theaterkostüme, Handpuppen und verschiedene Requisiten.

Erstmals sollte die Monacensia die umfangreichen Materialien im Rahmen einer Ausstellung im Herbst und Winter 2011/12 der Öffentlichkeit präsentieren. Die Schau sollte an einen Künstler erinnern, der zu den prägenden Münchner Schauspielern seiner Generation gehörte und mit seiner unverwechselbaren Stimme und großen Spielfreude Komik und Tragik miteinander verband.

Jörg Hube wurde am 22. November 1943 in Neuruppin in der Mark Brandenburg geboren und wuchs in Dießen am Ammersee sowie in München auf. Seine Theaterkarriere war eng mit der bayerischen Landeshauptstadt verbunden. Von 1973 bis Ende der 1990er-Jahre gehörte er mit wenigen Unterbrechungen zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Ab 2001 war er am Bayerischen Staatsschauspiel tätig.

Auch als Theaterpädagoge prägte Hube den Münchner Kulturbetrieb. Seit 1984 unterrichtete er an der Otto-Falckenberg-Schule, deren Leitung er von April 1991 bis Sommer 1993 übernahm.

Einem breiten Publikum wurde Hube vor allem durch Fernsehproduktionen des Bayerischen Rundfunks bekannt. Dazu gehörten unter anderem die Serien „Tatort“ und „Die Löwengrube“. Darüber hinaus wirkte er in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen mit. Er arbeitete dabei mit Regisseuren wie Michael Verhoeven, Edgar Reitz und Joseph Vilsmeier zusammen und verlieh auch kleineren Rollen sein charakteristisches Profil.

Als Hörspielsprecher setzte Hube zudem seine markante Stimme ein. Er las unter anderem Werke von Karl Kraus, Lion Feuchtwanger und Oskar Maria Graf.

Besonders eng verbunden blieb sein Name mit der Kabarettfigur des „Herzkasperl“. Die Figur entwickelte Hube 1975 gemeinsam mit seiner damaligen Frau Elisabeth Fall. Ab 2005 stand er außerdem gemeinsam mit Beatrix Doderer als „Sugardaddy“ auf zahlreichen Bühnen.

Dieter Dorn, der damalige Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels, bezeichnete Hube als einen „Volksschauspieler im schönsten Sinn des Wortes“.

Für seine künstlerische Arbeit erhielt Jörg Hube zahlreiche Auszeichnungen. Dazu gehörten unter anderem der Ernst-Hoferichter-Preis der Stadt München, der Adolf-Grimme-Preis und der Deutsche Kabarettpreis. Am 19. Juni 2009 starb Hube in München.

Mit dem Archiv wird der Sammlungsschwerpunkt „Volkskünstler“ der Monacensia erweitert. Dort werden unter anderem bereits Nachlässe und Konvolute von Liesl Karlstadt, Bally Prell, Erni Singerl, Ruth Drexl und Roider Jackl betreut.

Die Monacensia befindet sich in der Maria-Theresia-Straße 23 in München. Für die Einrichtung waren ab Januar 2011 folgende Öffnungszeiten vorgesehen:

  • Montag bis Mittwoch und Freitag: 10:30 bis 18:00 Uhr
  • Donnerstag: 10:30 bis 19:00 Uhr

 

 

 

 

Foto: Dieter Schnöpf (CC BY 3.0)