Auf dem Münchner Oktoberfest setzten die Notärzte 2005 erstmals mobile Pocket-PCs als digitale Übersetzungshilfe ein. Die Geräte sollten dabei helfen, sich schneller mit ausländischen Patienten über Erkrankungen und Verletzungen zu verständigen.
Über ein spezielles Dolmetscherprogramm konnten die Einsatzkräfte Schritt für Schritt den Zustand eines Patienten abfragen. Das Programm „Arpadi“ verfügte über rund 400 medizinisch relevante Sätze und unterstützte insgesamt 13 Sprachen. Zur Auswahl standen Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch, Türkisch, Serbisch, Polnisch, Russisch, Tschechisch, Ungarisch, Dänisch und Deutsch.
Entwickelt wurde der mobile Übersetzungshelfer vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Der Einsatz auf dem Oktoberfest diente zugleich als Pilotprojekt. Die Verantwortlichen wollten dabei Erfahrungen sammeln und prüfen, ob sich die Technik auch bei Großveranstaltungen wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland einsetzen lassen würde.
Für die Erstversorgung ausländischer Wiesn-Gäste standen den Notärzten des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) insgesamt 15 multifunktionale PDA-Phones von T-Mobile zur Verfügung. Die Geräte boten neben der Übersetzungsfunktion weitere medizinische Anwendungen. So konnten die Einsatzkräfte auf medizinische Datenbanken und Arzneimittellisten mit einem Umfang von mehr als 4.000 Seiten zugreifen.
Auch eine GPS-Funktion war integriert. Zusammen mit einem Lageplan der Festwiese sollte sie den Rettungskräften helfen, Einsatzorte schneller zu finden. Darüber hinaus konnten die Geräte zur Fotodokumentation von Verletzungen, zum Diktieren und zur digitalen Patientendokumentation eingesetzt werden. Telefonate über das Mobilfunknetz und der Versand von E-Mails waren ebenfalls möglich.
Der damalige stellvertretende BRK-Chefarzt in München, Dr. Ulrich Hölzenbein, bewertete den Einsatz positiv. Durch das Dolmetscherprogramm lasse sich bei Patienten ohne Deutschkenntnisse schneller herausfinden, welche Beschwerden vorliegen.
Auch die damalige Festleiterin Dr. Gabriele Weishäupl begrüßte den Pilotversuch. Rund 15 Prozent der Oktoberfest-Besucher stammten zu dieser Zeit aus dem Ausland. Mit Blick auf die wachsende Zahl chinesischer Besucher merkte sie an, dass Chinesisch künftig ebenfalls als Sprache zur Verfügung stehen sollte.
Betreut wurde das Pilotprojekt vom Projektteam „Mobile Medicine“ unter der Leitung von Dr. Robert Gerl von der Technischen Universität München. Die technische Unterstützung kam von T-Mobile und MDAI.
Das historische Bild zeigte BRK-Vize-Chefarzt Dr. Ulrich Hölzenbein bei der Verständigung mit einer russischen Patientin über einen Pocket-PC in der BRK-Sanitätsstation auf dem Oktoberfest.
